avanta vs. Shopware: B2B E-Commerce-Plattformen im Vergleich

Shopware gehört zu den bekanntesten E-Commerce-Plattformen im deutschsprachigen Raum. avanta ist eine spezialisierte B2B-Plattform für Hersteller, Industrieunternehmen und Großhändler. Beide Systeme adressieren digitalen Vertrieb, unterscheiden sich aber grundlegend in Architektur, Tiefe der B2B-Funktionen und Implementierungsaufwand.

Dieser Artikel vergleicht avanta und Shopware anhand von sechs Bewertungsdimensionen: Business Fit, Geschäftsprozesse, Plattformarchitektur, Integration, Wirtschaftlichkeit und Zukunftssicherheit.

03.08.2026
5 Minuten Lesezeit
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1. Business Fit: Für welche Unternehmen sind die Plattformen geeignet?

avanta: 100 % B2B, spezialisiert auf Hersteller, Industrie und Großhandel

avanta wurde von Beginn an ausschließlich für Hersteller, Industrieunternehmen und Großhändler entwickelt – Unternehmen mit komplexen ERP-geprägten Vertriebsprozessen, spezifischen Preiskonditionen und hohem After-Sales-Anteil. Die Plattform ist B2B-Szenarien konzipiert und verfolgt keinen generalistischen Ansatz. Typische avanta-Kunden sind mittelständische Unternehmen mit 50 bis 10.000 Mitarbeitenden in Branchen wie Maschinenbau, Werkzeugtechnik, Chemie, Anlagenbau, Elektrotechnik und Verpackungsindustrie.

Shopware: breite Positionierung, B2C-Ursprung

Shopware wurde im Jahr 2000 gegründet und hat seine Wurzeln im B2C-Commerce. Die Plattform richtet sich heute an ein breites Spektrum von Unternehmen (vom kleinen Onlineshop bis zum Enterprise-Kunden) und ist sowohl für B2C als auch für hybride B2B/B2C-Szenarien konzipiert. B2B-Funktionen sind in Shopware nicht nativ verankert, sondern werden über die B2B Suite (bis Shopware 6.7) oder die neueren B2B Components (ab Shopware 6.6+) ergänzt. 

Wichtig: Die B2B Suite ist ab Shopware 6.8 deprecated. Seit Mai 2025 erhalten neue Installationen auf dem Evolve-Plan ausschließlich B2B Components. Wer heute mit Shopware in den B2B-Commerce einsteigt, muss diese Transition einplanen.

Branchenkompetenz im Vergleich

Kriterium

avanta

Shopware

Primäre Zielgruppe

Hersteller, Industrie, Großhandel

Breites Spektrum: B2C, Hybrid B2B/B2C

B2B-Ansatz

B2B-nativ von Beginn an

B2B über Erweiterungen (B2B Components)

Typische Projektgröße

Mittelstand (50–10.000 MA)

Breites Spektrum, Fokus Commerce

Maschinenbau / Ersatzteile

nativer Standard

Individualentwicklung erforderlich

Technischer Großhandel

nativer Standard

mit B2B Components möglich

Hybrid B2B/B2C

B2B-fokussiert

integrierte B2C- und B2B-Prozesse

Referenzkunden (Auswahl)

Gühring, Marantec, SOLVIS, OEST, Amann

Breite Kundenbasis, vorwiegend Handel

Für Unternehmen, bei denen ERP-Daten, komplexe Konditionen und After-Sales im Mittelpunkt stehen, ist avanta von Beginn an auf diese Anforderungen ausgelegt. Shopware ist die bessere Wahl, wenn B2C und B2B parallel betrieben werden sollen oder wenn Content-Marketing eine zentrale Rolle spielt.

2. Geschäftsprozesse: Welche B2B-Prozesse werden out of the box unterstützt?

Digital Sales und Bestellprozesse

Beide Plattformen unterstützen die grundlegenden Funktionen des digitalen Vertriebs: kundenspezifische Preislisten, Staffelpreise, Schnellbestellung und Genehmigungsworkflows.

avanta bildet diese Funktionen nativ im Standard ab, ohne dass Erweiterungen oder Anpassungen erforderlich sind. Kundenstamm, Preise und Konditionen kommen direkt aus dem ERP, der Shop ist eine Verlängerung des ERPs.

Shopware stellt Kernfunktionen wie Firmenaccounts, Rollen, Budgets, Bestellfreigaben und Angebotsmanagement über B2B Components bereit. Für fortgeschrittene Szenarien, etwa tief integrierte Vertriebsprozesse aus einem Infor- oder abas-ERP, sind zusätzliche Anpassungen erforderlich.

Kundenserviceportal

avanta liefert ein vollständiges Kundenserviceportal out of the box: Bestellhistorie, Lieferstatus, Rechnungen, Lieferscheine, Auftragsbestätigungen, offene Posten, Zertifikate und Self-Service-Funktionen, alle direkt aus dem ERP bezogen.

Shopware bietet Basisportale über B2B Components, die mit Firmenaccounts und Rollenverwaltung arbeiten. Für ein vollwertiges Kundenserviceportal mit Belegen, Zertifikaten und Serviceprozessen sind in der Regel Erweiterungen oder individuelle Entwicklung nötig.

Ersatzteilgeschäft und After-Sales

Dies ist einer der deutlichsten Unterschiede zwischen beiden Plattformen.

avanta bietet nativen Ersatzteilservice: Stücklisten und Maschinenstrukturen kommen direkt aus dem ERP, Kunden finden Ersatzteile über Stücklistensuche oder interaktive Explosionszeichnungen. Seriennummern, Wartungshistorie und Serviceanfragen sind im Kundenportal integriert.

Shopware ist für diesen Anwendungsfall nicht ausgelegt. Ersatzteilkataloge, Maschinenstrukturen und Stücklisten erfordern erheblichen Entwicklungsaufwand und sind nicht Bestandteil der Standardplattform.

OCI- und cXML PunchOut

avanta unterstützt OCI PunchOut und cXML PunchOut nativ out of the box, kein Plugin, keine Individualentwicklung. Kunden wechseln direkt aus ihrem ERP-Beschaffungssystem (SAP Ariba, Coupa, Jaggaer) in den avanta-Shop und zurück.  Die PunchOut-Konfiguration kann durch den Einkäufer des Kunden selbst vorgenommen werden.

Shopware unterstützt OCI und cXML PunchOut nicht nativ. Dafür stehen externe Plugins (z. B. PunchCommerce, agiqon connector) zur Verfügung, die separat lizenziert und eingerichtet werden müssen. Technisch ist dies machbar, aber kein Standardbestandteil der Plattform.

Prozessvergleich im Überblick

Geschäftsprozess

avanta

Shopware

Kundenspezifische Preise

aus ERP, out of the box

B2B Components

Genehmigungsworkflows

out of the box

B2B Components

Kundenserviceportal (Belege, Docs)

vollständig, ERP-integriert

Erweiterungen nötig

Ersatzteilkatalog / Stücklisten

nativ aus ERP

Individualentwicklung

OCI PunchOut

nativ

Drittanbieter-Plugin

cXML PunchOut

nativ

Drittanbieter-Plugin

Angebotsmanagement

out of the box

B2B Components

After-Sales Self-Service

vollständig

eingeschränkt

3. Plattformarchitektur: ERP-first oder Commerce-first?

avanta: ERP-first

avanta verfolgt einen ERP-first-Ansatz: Das ERP-System ist das fachlich führende System. Preise, Verfügbarkeit, Kundenkonditionen, Bestelllimits und Belege kommen direkt aus dem ERP in den Shop. Es gibt keine parallele Datenhaltung, keine doppelte Pflegelogik. Der Shop ergänzt das ERP um digitale Vertriebs- und Serviceprozesse, führt aber keine eigene Geschäftslogik.

Technisch ist avanta API-first und headless-fähig. Alle Plattformfunktionen sind über definierte Schnittstellen ansprechbar. Der ERP-first-Ansatz ist dabei eine Philosophie, keine Einschränkung der technischen Architektur.

Shopware: Commerce-first

Shopware verfolgt einen Commerce-first-Ansatz: Die Plattform übernimmt einen erheblichen Teil der Geschäftslogik, Produktkatalog, Preisregeln, Promotionen und Storefront-Logik liegen im Shop. Das ERP liefert Daten, ist aber nicht das führende System.

Shopware ist ebenfalls API-first und unterstützt Headless-Commerce sowie PWA-Frontends. Die Composable-Architektur macht Shopware flexibel für individuelle Frontend-Implementierungen und mehrere Kanäle.

Bewertung der Architekturansätze

Dimension

avanta

Shopware

Architekturansatz

ERP-first

Commerce-first

Datenführendes System

ERP

Commerce-Plattform + ERP-Sync

API-first

Headless-fähig

Doppelte Datenhaltung

minimal

je nach Integration

Hybrid B2B/B2C

B2B-fokussiert

stark

Frontend-Flexibilität

konfigurierbar

sehr hoch (PWA, Headless)

Composable Commerce

modular

vollständig

Für Unternehmen, bei denen das ERP die Quelle der Wahrheit ist und die minimale Doppelpflege anstreben, ist der ERP-first-Ansatz von avanta der direktere Weg. Shopware bietet mehr Gestaltungsfreiheit, erfordert dafür aber eine präzise Integrationsstrategie, um Datenkonsistenz sicherzustellen.

4. Integration: ERP, Middleware und Drittsysteme

ERP-Integration bei avanta

avanta wurde von Beginn an für die ERP-Anbindung konzipiert (ERP-first, API-first). Die Middleware ist ohne Aufpreis in der Plattform enthalten. Unternehmen brauchen kein separates Integrationswerkzeug und keine externe Middleware. Fertige Konnektoren für alle gängigen ERP-Systeme wie SAP, MS Dynamics, Infor, abas, Oracle, proALPHA und weitere sind im Standard verfügbar, die Anbindung erfolgt per Konfiguration, nicht per Programmierung.

Für Legacy-Systeme ohne aktuelle REST-Schnittstellen unterstützt avanta zusätzlich asynchronen Datenaustausch via CSV- oder XML-Import.

ERP-Integration bei Shopware

Shopware ist API-first und bietet umfangreiche REST-APIs für die ERP-Anbindung. Eine eigene Middleware ist nicht enthalten. Unternehmen setzen typischerweise auf externe Middleware-Lösungen wie Akeneo, Kellerkind, Lobster oder SAP Cloud Integrator, oder auf direkte API-Verbindungen. Die Kosten für die ERP-Integration betragen je nach Komplexität 10.000 bis 50.000 EUR; bei Middleware-Lösungen kommen laufende Lizenz- und Betriebskosten hinzu. Synchronisation erfolgt häufig zeitgesteuert, nicht in Echtzeit.

Drittsystemintegration im Vergleich

Bereich

avanta

Shopware

Middleware

inklusive (n8n-basiert)

nicht enthalten, extern erforderlich

ERP-Anbindung

konfigurierbar, kein Code

API oder externe Middleware

PIM-Systeme

Contentserv, Akeneo, Pimcore u. a.

breites Plugin-Ökosystem

CRM-Systeme

Salesforce, Dynamics CRM, HubSpot u. a.

über API / Plugins

Marktplätze

konfigurierbar

Plugin-Ökosystem

Eigene Middleware einbringen

nahtlos

vollständig offen

Legacy-Systeme (CSV/XML)

unterstützt

individuelle Entwicklung

5. Einführung, Betrieb und Wirtschaftlichkeit

Implementierungsdauer

avanta geht typischerweise in 6–12 Wochen live. Die strukturierte Methode setzt auf Konfiguration statt Programmierung: ERP-Daten, Preislogiken und Bestellprozesse sind als konfigurierbare Standardfunktionen vorhanden. 99 % der typischen Kundenanforderungen sind durch den Standard abgedeckt. Individuelle Sonderprogrammierungen oder Customizing sind die Ausnahme.

Shopware benötigt im B2B-Umfeld typischerweise 4–8 Monate. Die Commerce-first-Architektur bietet hohe Flexibilität, erfordert aber mehr Aufwand für ERP-Integration, Agency-Implementierung und individuelle Konfiguration. Zusätzlich ist die geplante Migration von der B2B Suite zu den B2B Components einzukalkulieren.

Gesamtkostenvergleich (TCO)

Kostenposition

avanta

Shopware

Lizenz / SaaS

ab 990–1.500 €/Monat

ab 2.400 €/Monat

Middleware

inklusive

5.000–10.000 €/Jahr (extern)

Implementierung

15.000–40.000 €

35.000–55.000 € (Jahr 1)

Individualentwicklung

minimal bis keine

je nach Anforderung

Umsatzbeteiligung (GMV)

keine

keine

Implementierungsdauer

6–12 Wochen

4–8 Monate

After-Sales

inklusive

Zusatzentwicklung

PunchOut

inklusive

Plugin erforderlich

Betriebsmodelle

avanta ist als SaaS, in der Cloud oder on-premises betreibbar. Die Plattform ist open source: Unternehmen können Ownership übernehmen und sind nicht an proprietäre Strukturen gebunden.

Shopware bietet ebenfalls SaaS (Managed Cloud), Self-Hosting und On-Premises. Das breite Partnernetzwerk aus zertifizierten Agenturen erleichtert Betrieb und Weiterentwicklung.

6. Zukunftssicherheit und Innovation

Künstliche Intelligenz

avanta integriert KI-Funktionen als eigenständiges Modul: avaBot ist ein KI-Servicebot für Vertrieb und Service, mehrsprachig, ERP-integriert und auf Basis von Rollen- und Zugriffsrechten. Er beantwortet Produktfragen, unterstützt bei Bestellungen und entlastet den Vertriebsinnendienst.

Shopware bietet über den AI Copilot Funktionen für Texterstellung und Produktbeschreibungen. KI-gestützte Produktberatung ist über Drittanbieter wie Qualimero AI integrierbar. Die KI-Roadmap von Shopware ist breit aufgestellt, fokussiert sich aber nicht primär auf B2B-Serviceprozesse.

Produktstrategie und Roadmap

avanta entwickelt sich konsequent entlang der Anforderungen von Herstellern und Großhändlern. Regelmäßige Releases erweitern Funktionen in den Bereichen ERP-Integration, AI und Self-Service. Die Plattform ist open source: Kunden können eigene Erweiterungen einbringen und behalten die volle Kontrolle über ihren Code.

Shopware investiert stark in Headless-Commerce, Composable-Architektur und das internationale Wachstum. Die Transition von der B2B Suite zu den B2B Components ist ein relevanter Strategiewechsel: Für bestehende Kunden entsteht Migrationsbedarf, neue Implementierungen profitieren von einer saubereren Architektur. Shopware ist aktiv an der Weiterentwicklung des KI-Ökosystems und der Internationalisierung.

Dimension

avanta

Shopware

KI nativ (B2B-Serviceprozesse)

avaBot, AI Sales Assistant

AI Copilot (Texte), Drittanbieter-AI

Open Source

(Community Edition)

Release-Frequenz

regelmäßig

regelmäßig

Roadmap-Transparenz

B2B-fokussiert

breit, Commerce-fokussiert

Migrationsbedarf

keiner

B2B Suite zu B2B Components

Fazit: avanta oder Shopware?

Beide Plattformen sind leistungsfähige E-Commerce-Systeme. Die richtige Wahl hängt vom Geschäftsmodell, der IT-Landschaft und den strategischen Prioritäten ab.

avanta empfiehlt sich, wenn:

  • Sie Hersteller, Industrieunternehmen oder Großhändler sind (50–10.000 MA)
  • Ihr ERP die zentrale Datenquelle für Preise, Konditionen und Belege ist
  • Sie schnell live gehen wollen, ohne ein großes IT-Projekt aufzusetzen
  • After-Sales, Ersatzteilservice oder PunchOut zentrale Anforderungen sind
  • Sie Middleware und Drittsystemintegration ohne Aufpreis benötigen
  • Sie kein eigenes Entwicklungsteam für den Shop-Betrieb aufbauen wollen

Shopware empfiehlt sich, wenn:

  • Sie B2C und B2B parallel betreiben wollen (Hybrid-Szenario)
  • Content-Marketing, Storytelling und Design-Flexibilität zentrale Anforderungen sind
  • Sie ein eigenes Entwicklungsteam oder eine erfahrene Shopware-Agentur einsetzen
  • Sie maximale Flexibilität in der Frontend-Gestaltung benötigen (Headless, PWA)
  • Ihr Schwerpunkt nicht im klassischen Industrievertrieb mit ERP-lastigen Prozessen liegt

Für Hersteller und Großhändler, die ihren Vertrieb direkt aus dem ERP digitalisieren wollen, ist avanta die direktere und wirtschaftlichere Wahl: mit kürzerer Projektlaufzeit, niedrigerem TCO und nativem Support für industrietypische Prozesse wie After-Sales und PunchOut.

Weitere Plattformvergleiche: avanta vs. Intershop | avanta vs. Sana Commerce

Quellenangaben

avanta vs. Shopware: Finden Sie die passende Plattform

B2B ist kein „Shop-Projekt“, sondern Prozessdigitalisierung. avanta ist eine B2B E-Commerce Plattform, mit der genau die genannten Anforderungen standardisiert abgebildet werden können: kundenspezifische Konditionen, Berechtigungen, Freigaben, Belege, Lieferlogik, inkl. ERP-Anbindung ohne doppelte Logik.

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